Konkrete Maßnahmen für meinen Hund bei Silvesterangst

 

Mein Hund hat Silvesterangst – was tun?

Vor Silvester

  • Führe deinen Hund vorsichthalber ausschließlich an der Leine bzw. Schleppleine.
  • Wähle zum Gassigehen Orte, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Knallerei gering ist.
  • Wenn es trotzdem knallt und mein Hund horcht nur auf, kann ich mit einem Signal und einem begeisterten Spiel signalisieren, dass es sogar lustig sein kann, wenn es knallt. Außerdem ist es ein guter Gradmesser des Angstpegels. Kann mein Hund noch Leckerli annehmen oder nicht?!
  • Wenn ihr einen souveränen Hund kennt, verabredet euch zum gemeinsamen Gassigehen. Hunde schauen sich Verhalten ab.
  • Erhöhe die Auslastung und mache deinen Hund müde und zufrieden (nicht übertreiben!).
  • Konsultiere bei extremen Angstzuständen den Tierarzt deines Vertrauens und sprich mit ihm über medizinische Möglichkeiten. Vorsicht bei starken Medikamenten! Wir haben gute Erfahrungen mit Pheromonen & Co. gemacht. Daneben gibt es noch andere Nahrungsergänzungsmittel.
  •  Was immer gilt, ist vor Silvester besonders wichtig: Versuche, den Stresslevel deines Hundes so niedrig als möglich zu halten. Also keinen Stadtbummel, wenn der Hund es nicht gewohnt ist; keine Hundebegegnungen im Freilauf mit unbekannten Hunden (könnte kippen); nicht länger als sonst alleine lassen; keine Futterumstellung und insgesamt einen geregelten Tagesablauf gewährleisten.

An Silvester

  • Türen sichern! Vorsicht mit offenen Haustüren! Kann der Hund Türen öffnen – Türen abschließen. Auch ein furchtloser Hund kann sich plötzlich erschrecken und in Panik versuchen zu fliehen.
  • Ich mildere die Außenreize und lasse rechtzeitig die Rollläden herunter. Außerdem schalte ich das Radio oder den Fernseher an. Vorsicht! Der Hund sollte das natürlich gewohnt sein.
  • Meinen Hund mit Silvesterangst lasse ich natürlich nicht alleine.
  • Und natürlich nehme ich meinen Hund zum Feuerwerk anschauen nicht mit nach draußen. Entweder ich verzichte meinem Hund zuliebe auf das Spektakel oder eine andere Bezugsperson bleibt im Haus und kümmert sich um ihn.
  • Wenn der Hund noch denken kann, dann spiele gerne mit ihm und sei dazu spendabel mit Futter.
  • Viele Hunde beruhigt es, wenn sie an etwas nuckeln. Probiere es mit Quark gefüllten Kongs; Hundeei o.ä.
  • Nimm die Angst deines Hundes ernst! Wenn dein Hund sich zurückziehen möchte, gewähre im Zugang zu seinem Lieblingsort, auch wenn das unter der Bettdecke sein sollte. Unser Hund darf beispielsweise bei Angst auf die Couch oder kurz ins Bett, obwohl das ansonsten tabu ist.
  • Entgegen anders lautenden Ratschlägen: Wenn dein Hund deine Nähe sucht, dann gib ihm die Zuwendung und den Schutz, den er braucht. Sei sein Fels in der Brandung. ABER: Versuche nicht zu trösten! Das wird seine Angst verstärken und ihn daran zweifeln lassen, dass du Herr der Lage bist!
  • Als Geheimtipp wird (maximal!) 1 Esslöffel Eierliklör gehandelt!?! Wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift. Es gibt jedenfalls eine Reihe von positiven Erfahrungsberichten.

NACH SILVESTER ist VOR SILVESTER! Der wichtigste Rat: Sei ein souveräner Partner für deinen Hund – nicht nur zum Jahreswechsel

Konkretes Training für meinen Hund bei Silvesterangst

SO BRINGST DU DEINEM HUND EIN RUHESIGNAL BEI

Schritt 1: Erkenne Momente, in denen dein Hund von sich aus zur Ruhe kommt

Setze dich zum Beispiel immer abends zu deinem Hund auf den Boden und massiere ihn bis er ruhig wird. Oder kuschelt euch gemeinsam auf der Couch zusammen. Was auch immer euch beide entspannt, ist erlaubt. Mache das zu eurem persönlichen Entspannungsritual.
Wenn es in eurem Alltag Routinen gibt, bei denen dein Hund sicher zur Ruhe kommt, kannst du das ebenfalls nutzen. Legt sich dein Hund zum Beispiel immer dann hin und schläft, wenn du mit einem Tee auf der Couch Platz nimmst oder an deinem Schreibtisch sitzt und arbeitest? Erkenne solches Verhalten und nutze es!

Schritt 2: Verbinde den Ruhemoment mit einem Signal

Das Ruhesignal kann ein Wort, eine Decke oder eine bestimmte Musik sein. Alles, was dir einfällt und was für euch praktikabel ist, ist erlaubt. Ideal ist ein besonderes Wort. Mein persönlicher Favorit ist „hyggeligt“ (ausgesprochen hüügeliiii), was auf Dänisch „gemütlich“ bedeutet. Eine bestimmte Musik ist zum Beispiel weniger hilfreich auf einem Spaziergang, kann aber wunderbar das Alleine bleiben unterstützen.
Verbinde nun eurer Ruheritual mit deinem Signal. Lege zum Beispiel diese Musik auf, wenn dein Hund gerade entspannt. Oder sag‘ ihm das ausgesuchte Wort, wenn du ihn massierst. Das wiederholst du ruhig so oft wie möglich, mindestens drei Wochen lang.

Schritt 3: Variiere den Kontext

Jetzt beginnst du allmählich die entspannte Situation zu verändern. Gehe in einen anderen Raum mit deinem Hund. Oder führe euer Ruheritual zu einem anderen Zeitpunkt aus. Euer Ruhesignal ist trotzdem immer dabei.
Sobald du das Gefühl hast, dass dein Hund sich immer mehr und immer schneller entspannen kann, kannst du beginnen, das Signal bereits kurz VOR der Entspannung einzusetzen. Wenn das gut funktioniert, versuche das Signal auch außerhalb des Rituals einzusetzen. Wenn das klappt, seid ihr bereit für den nächsten Schritt.

Schritt 4: Gebe das Ruhesignal in aufregenderen Situationen

Jetzt kannst du das Signal in eurem Alltag anwenden. Nutze es anfangs in nur wenig aufregenden Momenten und taste dich ran, wie weit du es schon nutzen kannst. Beobachte deinen Hund und merke dir, wie er in verschiedenen Situationen auf das Signal reagiert. Dann kannst du einschätzen, wann du ihm am besten helfen kannst. Steigere langsam die Anforderung an deinen Hund und scheue dich nicht, ein paar Schritte im Training zurück zu gehen.

Schritt 5: Du hast es geschafft! Dein Hund hat das Ruhesignal generalisiert

Du hast nun ein wunderbares Instrument, um deinem Hund aus der Aufregung zu helfen. ACHTUNG: Das Ruhesignal sollte weiterhin so oft als möglich in entspannten Situationen gegeben werden. Dein Hund würde es sonst irgendwann mit Anspannung verbinden!

DESENSIBILISIERUNG VON GERÄUSCHEN

An einen Reiz, der ursprünglich Angst auslöst, kann sich dein Hund gewöhnen. Dazu muss dieser Reiz so gering gehalten werden, dass dein Hund wahrnehmen kann, dass von diesem Reiz keine Gefahr ausgeht. Wenn dieser Vorgang gezielt durchgeführt wird, spricht man von einer Desensibilisierung.
Konkret kannst du dazu mit einer speziellen Geräusche-CD arbeiten (Erfolg ist eher mäßig). Ganz einfach ist es, Alltagsgegenstände wie bspw. Schlüssel oder Münzen fallen zu lassen (Steigerung gut machbar) und sich dabei wie gewohnt zu verhalten. Wenn dein Hund verfressen ist, dann kannst du die Fütterung in das Training integriere